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Vorsicht beim Kauf von Ferienwohnungen in Kroatien

Quelle: www.welt.de - von Reinhard Engel

Mit Kroatiens EU-Beitritt verbinden sich große Hoffnungen auf einen Boom bei Ferienwohnungen. Doch so attraktiv das Land für Touristen ist: Die Objekte treffen oft nicht den Geschmack der Interessenten.

Es ist wohl der Ferienhaustraum schlechthin: Die Villa aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts – Gesamtfläche 380 Quadratmeter – liegt unmittelbar am Meer, eingerahmt von einem 2800 Quadratmeter großen mediterranen Garten. Von ihren Fenstern aus blickt man auf eine weite Bucht, die historische Stadt Dubrovnik ist nur sieben Kilometer entfernt.

Auch die praktischen Voraussetzungen scheinen erfüllt: Zwei Garagen und etliche weitere Pkw-Stellplätze, überdies sogar die Möglichkeit, vor dem Anwesen selbst größere Yachten zu verankern. Diesen Traum vom Wohnen können sich freilich nur gut Betuchte leisten: 3,9 Millionen Euro werden laut der Internetseite des Maklerunternehmens Engel & Völkers Kroatien für das Objekt aufgerufen. Und dann steht da noch ein unscheinbarer, kurzer Nachsatz: "needs renovation".

Michael Grimm, Geschäftsführender Gesellschafter von Engel & Völkers in Rab, weiß freilich um die realistischeren Wünsche deutscher, österreichischer oder italienischer Ferienhaus-Käufer. "Das sind meist Häuser mit Wohnflächen zwischen 130 und 200 Quadratmetern, die kosten dann so von 250.000 bis 400.000 Euro."

Meerblick muss unbedingt sein


Günstiger finde man kaum interessante Objekte. Diese Häuser haben dann laut Grimm einen ordentlichen Standard, meist auch einen atemberaubenden Meerblick, aber direkt am Strand liegen sie nicht, denn dort darf man in Kroatien schon lange nicht mehr bauen.

Ähnliche Features gelten auch für Appartements. Grimm: "Meerblick muss unbedingt sein, die Preise liegen dann für 60 bis 80 Quadratmeter bei 100.000 bis 180.000 Euro." Das ist damit immer noch deutlich günstiger als in vergleichbaren Lagen in Italien. Grimm glaubt, dass der nahende EU-Beitritt Kroatiens vermehrt deutsche Interessenten ins Land bringen werde: "Viele Deutsche sind ängstlich, sie fürchten, dass wieder irgendwo ein Krieg ausbricht, oder dass der Staat ihnen ihr Eigentum wegnimmt. Mit einem Kroatien, das der EU angehört, fühlen sie sich viel sicherer."

Von dieser emotionalen Gemengelage erhofft er sich einen Anstieg der Interessentenzahlen um 15 bis 25 Prozent. Ilijana Jelec von der Zagreber Immobilientochter der Erste Bank Group sieht die Entwicklung ähnlich: "Unser EU-Beitritt wird als positiver Faktor gesehen, vielleicht sogar überhaupt als Schlüssel dafür, in diesem Land zu investieren."

Ein Boom ist schon damals nicht eingetreten


Andere in der Branche sind weit weniger optimistisch. "Schon im Jahr 2010 sind die Gesetze gefallen, die den Erwerb von Ferienimmobilien für Ausländer beschränkt hatten", erinnert sich Patrick Franolic, Geschäftsführer des Zagreber Immobilienmaklers Spiller Farmer. "Schon damals haben viele Experten einen Boom prophezeit, und er ist nicht eingetreten."

Die Statistik für Ferienimmobilien ist in Kroatien äußerst dürftig. In den Jahren 2010 bis 2012 wurden in Kroatien insgesamt 13.800 Immobilien von Ausländern erworben, davon mehr als 40 Prozent von Slowenen, 13 Prozent von Deutschen, elf Prozent von Italienern und neun Prozent von Österreichern.

Diese Statistik wirft allerdings die Zweitwohnsitze nicht gesondert aus – darin finden sich betrieblich genutzte Objekte ebenso wie beispielsweise Stadthäuser oder Büros im Eigentum. Zum Vergleich: Allein in Spanien besitzen Deutsche mehr als 400.000 Ferienimmobilien.

Beim Preis-Leistungsverhältnis hapert es


Was sind die Gründe für dieses schaumgebremste Interesse? Experte Franolic hat schlüssige Antworten: "Es gibt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum Produkte, die beim Preis-Leistungs-Verhältnis den Ansprüchen deutscher oder österreichischer Kunden entsprechen." Lediglich Istrien habe sich in dieser Hinsicht etwas positiver entwickelt.

Franolic kann seine These auch mit Fakten untermauern: "Ein Käufer in einem Alter von über 50 Jahren wird bei einem Haus, das etwas vom Meer entfernt liegt, kein Grundstück mit lediglich 300 Quadratmetern akzeptieren. Da können weder seine Enkel spielen, noch kann er sich einen vernünftigen Pool bauen." Ähnliches gelte für weit verbreitete Planungsfehler bei Appartements, deren Mini-Balkons wohl aufs Meer gerichtet, aber zu klein sind, um darauf wenigstens einen Liegestuhl zu platzieren.

Bei derartigen Angeboten, die in großen Zahlen am Markt sind, mache es auch keinen Sinn, wenn der Preis um 15 Prozent zurückgenommen wird, "das ist ganz einfach Schrott, unverkäuflicher Schrott". Seiner Erfahrung nach sind von 100 Angeboten für ausländische Kunden maximal etwa 15 bis 20 Prozent interessant.

In viele Objekte muss erst noch investiert werden


Überdies wurden manche Häuser ursprünglich für andere Zwecke errichtet. So sieht man zahlreichen "Villen" an, dass sie eigentlich als Pensionen gedacht und gebaut worden waren. Wer daraus ein attraktives Ferienhaus machen will, muss erst noch zusätzlich investieren.

Am anderen, oberen Ende des Marktes finden sich freilich luxuriöse Angebote, allerdings in anderen Preiskategorien. Punta Skala ist eine Halbinsel nahe Zadar, und sie ist einer einzigen Ferienkolonie vorbehalten. Dort betreibt die Südtiroler Hoteliersgruppe Falkensteiner ein Fünf-Sterne-Wellness-Haus und ein weiteres Hotel mit vier Sternen für Familien. Dazwischen stehen – alle aufs Meer ausgerichtet – kleinere Häuser, in denen Appartements zu kaufen sind. Diese sind schon eingerichtet, der Kunde kann sich unter mehreren Varianten entscheiden: ob er sie alleine nutzen will, oder für die Zeit, in der er nicht da ist, zur Vermietung frei gibt.

Der Besitzer kann auch zusätzlich die Services der Hotels nutzen – gegen Aufpreis. Wo liegen die Unterschiede zu Time-Sharing-Modellen? "Bei uns sind sie im Grundbuch und kaufen nicht nur einen Anteil", so Himangi Sattler vom Falkensteiner-Verkauf in Wien. Die Preise der Appartements heben sich auch ohne Hotel-Menüs deutlich von anderen kroatischen Angeboten ab: Sie beginnen bei 215.000 Euro für knappe 50 Quadratmeter und reichen bis 800.000 Euro.

Laut Engel & Völkers-Geschäftsführer Grimm gibt es allerdings seit wenigen Jahren professionelle Entwickler und Bauherren, die recht genau auf die Bedürfnisse der Ferienhaus-Klientel aus dem Ausland hin bauen – vor allem in Istrien, aber auch auf manchen dalmatinischen Inseln. "Und diese Projekte sind sehr schnell verkauft."

Zeit auch für das Umfeld nehmen


Worauf sollten Interessenten unbedingt achten, wenn sie den Erwerb eines Zweitwohnsitzes in Kroatien in Erwägung ziehen? Erstens solle man sich ausreichend Zeit nehmen, um nicht nur die Immobilie, sondern auch das Umfeld genau anzusehen. Denn selbst wenn erstere akzeptabel ist, kann einem eine möglicherweise rustikalere Nachbarschaft mit lautem Massentourismus schnell auf die Nerven gehen. Unbedingt vonnöten ist das Hinzuziehen von örtlichen Fachleuten – entweder eines Maklers oder eines Rechtsanwalts.

Gregor Famira, Partner der internationalen Wiener Kanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz und deren Zagreber Bürochef, konzediert zwar, dass das Grundbuch in den vergangenen Jahren in Kroatien sehr an Aussagekraft gewonnen habe. "Dennoch sollte man nicht – ganz verliebt in eine Ferienimmobilie – vorschnell Rechtsmängel übernehmen." Der Verkäufer müsse für den aktuellen Grundbuch-Stand sorgen, vorher sollten Kaufinteressenten auch auf keinen Fall eine Anzahlung leisten.

Und noch eine Warnung spricht der Anwalt aus: "Es klingt verlockend, bei einer Mehrwertsteuer von 25 Prozent die Immobilie über eine zwischengeschaltete Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu kaufen und sich diese Steuer dadurch zu sparen." Aber die Erfahrung zeige, dass man dann später unter Umständen Schwierigkeiten bei der Vermietung habe, dies eventuell nach ein paar Jahren sogar ganz aufgebe. "Und am Ende kommt dann – wie das Amen im Gebet – die Steuerbehörde."